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Vorausschauende Wartung: Von Versprechungen zu Taten

Die vorausschauende Wartung wird oft als Schlüssel zu einer störungsfreien Industrie dargestellt und weckt viele Hoffnungen, aber auch einige Illusionen. Ihr tatsächlicher Wert liegt weniger in den technologischen Möglichkeiten als vielmehr in der Fähigkeit, zu überlegen, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen. Zwischen Daten, IoT und gesundem Menschenverstand ist ein pragmatischer Ansatz erforderlich: Die vorausschauende Wartung muss zu einem Hebel für die Gesamtleistung werden und darf nicht nur ein digitales Gadget bleiben.

Maintenance prédictive

Die vorausschauende Wartung wird als technologischer Heiliger Gral angepriesen, der Ausfälle verhindern kann, und weckt daher hohe Erwartungen. In der Praxis sieht die Realität jedoch differenzierter aus. Vorausschauen bedeutet nicht, alles vorhersagen zu können, und Digitalisierung befreit nicht von der Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen. Um sie zu einem echten Leistungshebel zu machen, muss man wissen, wo vorausschauende Wartung sinnvoll ist, wie man sie mit Daten füttert und wie man sie mit Bedacht einsetzt.

Korrektive Wartung wird nicht verschwinden

In vielen Diskussionen über die digitale Transformation in der Industrie wird die korrektive Instandhaltung als Anomalie dargestellt, die es zu beseitigen gilt. Diese Sichtweise ist zwar verlockend, ignoriert jedoch eine grundlegende Tatsache: Nicht alle Ausfälle sind gleich und nicht alle müssen vermieden werden. Eine Glühbirne am Ende ihrer Lebensdauer erfordert beispielsweise nicht dieselbe Strategie wie eine kritische Pumpe in einer Produktionslinie. Die vollständige Abschaffung der korrektiven Instandhaltung würde daher massive Investitionen in die Prävention kleinerer Ausfälle bedeuten, mit dem Risiko, Zeit, Geld, Energie und wertvolle Humanressourcen zu verschwenden.

Das richtige Gleichgewicht beruht nicht auf der Beseitigung von Risiken, sondern auf der Fähigkeit, zu entscheiden, Prioritäten zu setzen und zu wählen, welche Ausfälle vorweggenommen werden müssen und welche eine Reparatur zulassen. Die korrektive Wartung behält ihre Daseinsberechtigung, sofern sie zielgerichtet ist und nicht erzwungen wird.

Keine Technologie ohne gesunden Menschenverstand

Bei einer vorausschauenden Wartungsstrategie beginnt alles mit den Daten, die die Grundlage für Modelle und Analysen bilden. Der Einsatz von IoT-Sensoren ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn er von klaren Zielen geleitet wird. Allzu oft konzentrieren sich IoT-Projekte auf einfach zu erfassende Messwerte (Temperatur, Vibrationen usw.) und vernachlässigen dabei wichtige Daten wie physikalische Einwirkungen oder Umweltdaten, die einen erheblichen Einfluss auf die tatsächlichen Risiken haben.

Das Ziel besteht nicht darin, Sensoren einzusetzen, um Daten zu sammeln. Zunächst müssen die richtigen Fragen gestellt werden: Wie genau müssen die Daten erfasst werden? Welche spezifischen Elemente müssen gemessen werden, um den geschäftlichen Anforderungen gerecht zu werden? Durch die Auseinandersetzung mit diesen Fragen wird das IoT zu einem echten Entscheidungshilfetool und nicht zu einer überflüssigen Technologieebene.

Intelligente Wartung denken

Sobald die Prioritäten festgelegt sind, basiert die Umsetzung der vorausschauenden Wartung auf dem Einsatz der richtigen Werkzeuge und vor allem auf der Auswahl der richtigen Partner. Der Einsatz von Sensoren allein reicht nicht aus, sie müssen intelligent in einen Gesamtprozess integriert werden.

Hier kommen die Proof Of Concept Maßnahmen und die Einbindung der Teams voll zum Tragen. Durch das Testen von Anwendungsfällen in kleinem Maßstab können Unternehmen schnell die effektivsten Lösungen validieren, die Teams in den Prozess einbeziehen und die Tools anpassen, bevor sie in großem Maßstab eingesetzt werden.

Gleichzeitig ist die Auswahl der richtigen Partner für den Erfolg des Projekts von entscheidender Bedeutung. Die Umsetzung einer vorausschauenden Instandhaltungsstrategie umfasst zahlreiche Aspekte: Sensormanagement, Datensicherheit, Datenübertragung und -analyse, Festlegung von Geschäftsregeln usw. All diese Themen erfordern spezialisierte Experten, um eine reibungslose Integration und erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten.

Wenn diese Aspekte schlecht gehandhabt werden, besteht die Gefahr, dass Projekte stagnieren oder scheitern, da die Akteure nicht dieselbe Sprache sprechen und sich die Probleme häufen. Die Auswahl von Partnern, die in der Lage sind, das gesamte Projekt von der Umsetzung bis zur Analyse der Ergebnisse zu verwalten, ist daher von strategischer Bedeutung.

So verstanden wird die vorausschauende Wartung zu einem globalen Leistungshebel: Risikominderung, Verbesserung der Energieeffizienz, Optimierung der Arbeitsbedingungen und letztlich ein besseres Umfeld für die Teams. Diese Vorteile, die auf den ersten Blick oft nicht sichtbar sind, müssen vollständig in die Industriestrategien integriert werden.

Die vorausschauende Wartung darf kein technologisches Versprechen mehr sein, sondern muss zu einem konkreten Hebel werden, der in eine an die Realität vor Ort angepasste Industriestrategie integriert ist. In dieser operativen Klarheit liegt ihre wahre Stärke.

Laurent Crétot, Vertriebs- und Marketingleiter von Siveco Group.

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